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Prestigeprojekt Mariahilferstraße - mein Ré­su­mé!
Verfasst am: 07.03.2014, 14:59   Autor: killerbees19
Die Mariahilferstraße, Österreichs größte Einkaufsstraße und heiß diskutiertes Streitthema der letzten Monate.
Doch um was geht es überhaupt? Nachfolgend eine kurze Einleitung für alle, die nichts damit anfangen können...

Bei der Mariahilferstraße handelt es sich um eine knapp 4 Kilometer lange Einkaufsstraße in Wien, die zu den größten in Europa zählt. Der äußere Abschnitt verläuft durch den 15. Bezirk und endet im 14. Bezirk. Der innere Teil, und um den geht es eigentlich, trennt die Bezirke 6 (Mariahilf) und 7 (Neubau) voneinander. Unter der Straße verläuft die U-Bahn Linie U3. Auf der Oberfläche gab es jeweils eine Fahrspur in jede Richtung sowie auf jeder Seite Parkmöglichkeiten, die allerdings von Parkpickerl-Besitzern (Erlaubnis zum dauerhaften Abstellen) nicht genutzt werden durften.

Mitte 2013 wurde dann nach langer und sorgfältiger "Planung" (wer darin Sarkasmus findet, darf sich freuen) ein Teil der Straße in eine Fußgängerzone umgewandelt, der restliche Teil in eine Begegnungszone. Dafür wurden im Vorfeld sogar Gesetze angepasst, da eine Begegnungszone sonst nicht möglich gewesen wäre. Viele neue Probleme entstanden, dadurch und so wurde das grüne Prestigeprojekt bald zum Streitthema Nummer 1. Vor dem finalen Umbau zur Fußgängerzone (auf gleichem Niveau), wurde jetzt endlich eine Befragung gestartet, bei der alle Einwohner der Bezirke 6 und 7 teilnehmen dürfen.




Problem "13A"
Die gleichnamige Buslinie verläuft in einer Fahrtrichtung über einen Großteil der Fußgängerzone. In der Gegenrichtung muss sie immerhin die Fußgängerzone queren. Moment, das ist eigentlich nicht richtig! Die Fußgängerzone ist nämlich an dieser Querungsmöglichkeit (die für den Individualverkehr nicht nutzbar ist) unterbrochen. Das mag sehr seltsam klingen, zumal die Zone sowieso schon relativ kurz ist. Aber das ist Realität. Querungsmöglichkeiten gibt es logischerweise bei vielen ähnlichen Straßen, aber wenn die Bevölkerung nichts davon hat, ist es irgendwie nutzlos. Doch dazu später mehr.

Zurück zum öffentlichen Verkehr: Der Grundgedanke war, dass der Bus eine schöne breite rote Spur bekommt, auf der sich ausschließlich der Bus und sonst niemand bewegen darf. Niemand? Ja, richtig! Niemand, ganz im Sinne von kein Fußgänger und keine Radfahrer. Der rote Fahrstreifen wurde extra vollflächig angemalt und nimmt fast die ganze Breite ein. Die Erkenntnis, dass das absoluter Schwachsinn ist, kam dann irgendwann auch bei den Verantwortlichen an. Aber erst nach Dutzenden Medienberichten, öffentlichen Diskussionen und der Tatsache, dass sich die Busfahrer geweigert haben, durch diesen Gefahrenbereich durchzufahren.

Dann gab es einige lustige "Lösungen": Die Linie 13A wurde temporär (am Samstag) geteilt, damit kein Bus mehr direkt durchfahren muss. Es gab also quasi die Linie 13A/1 und 13A/2, auch wenn das offiziell nie so bezeichnet wurde. Für Nutzer der Öffis bedeutete dies, dass sie einen guten halben Kilometer Fußweg in Kauf nehmen mussten, um weiterfahren zu können.

Danach wurde mehrmals an der Linienführung gearbeitet. Viele Planungen verliefen im Sand, andere wurden schnell umgesetzt. Sehr zum Ärger mancher Bürger, die nun den Bus direkt vor der Haustüre haben. Das heißt, kein Nutzen davon, da keine Haltestelle, Lärm, Erschütterungen, weniger Parkplätze aufgrund der engen Begebenheiten usw. - das alles führte dann sogar zu einer Zebrastreifen-Blockade! Klingt abstrus, war aber sehr effektiv. Durch andauerndes Queren desselben, musste der Fahrbetrieb auf der neu geschaffenen Umleitung sogar für einige Stunden eingestellt werden.

Die vorerst finale Lösung: Der Bus meidet die Fußgängerzone und fährt einen noch weiteren Umweg. Dafür gibt es dort jetzt neue Haltestellen. Auf der Gegenseite fährt er die Linie U3 nicht mehr direkt an und muss trotzdem durch die Begegnungszone fahren.

Problem "Parken"
Durch die Umgestaltung zur Fußgängerzone wurden Hunderte Parkplätze entfernt. Aber nicht nur auf Mariahilferstraße, sondern auch in den angrenzenden Seitengassen, die dadurch zur Sackgasse wurden und einen Wendebereich brauchen. Die Parkplatzsituation ist in den beiden Bezirken sowieso schon sehr angespannt und es wurde dadurch verständlicherweise nicht besser. Ungenaue und unverständliche Regelungen sorgten dann für massenhafte Organmandate für Falschparker oder andere Vergehen. Sogenannte "Kiss & Ride" Zonen vergrößerten den Schilderwald und die Verwirrung nur noch mehr...

Problem "Querungen"
Die beiden Bezirke hatten schon vorher nicht gerade viele Querungsmöglichkeiten untereinander. Die wenigen, die es gab, waren allerdings sehr wichtig. Und was hat man gemacht? Man hat sie einfach zu Sackgassen umfunktioniert oder in einem Einbahnchaos enden lassen, wo man immer nur im jeweiligen Bezirk im Kreis fahren kann. Großzügigerweise wurde dann die Querung Stumpergasse/Kaiserstraße wieder geöffnet. Meiner Meinung nach leicht sinnlos, da hier sowieso der Gürtel nur wenige Meter entfernt ist. Für die sehr wichtige Gegenrichtung gibt es weiterhin keine Lösung. Gerade für viele Firmen ist das die reinste Katastrophe. Vom eingekesselten Individualverkehr fange ich erst gar nicht ein...

Problem "Radfahren"
Was ist eine Fußgängerzone? Wie der Name bereits vermuten lässt, eine Zone für Fußgänger. Nicht hier! Das Bus-Desaster wurde ja bereits entschärft (die BuFuZo Mr. Green), aber Radfahren bleibt weiterhin erlaubt. Auf einer Fußgängerzone? Richtig! Wir haben hier also eine RaFuZo, um es einmal scherzhaft zu bezeichnen. Das vorgeschriebene Tempolimit wurde logischerweise kaum eingehalten, was wieder ein fast dauerhaftes Patrouillieren der Polizei auslöste.

Was sagen die Geschäftsleute dazu?
Sie haben sich vorher beschwert, davor gewarnt, aber niemand hat auf sie gehört. Neben den Anrainern gehören sie zu den wichtigsten Personen, denen man bei der aktuellen Debatte zuhören sollte. Denn ohne Geschäfte keine Einkaufsstraße und somit auch keine Notwendigkeit einer Fußgängerzone. Leider rollte man über die Meinungen jener genauso drüber, wie über die der Bewohner. Und so haben wir nun eine Straße, wo viele bereits deutliche Umsatzrückgänge vermelden und einige sogar schon in andere Teile von Wien übersiedelt sind. Oder noch schlimmer, vielleicht sogar für immer zugesperrt haben. Auch die aktuelle Befragung ist in keinster Weise an sie gerichtet. Es gibt zwar bis zu sechs inoffizielle Befragungen von Parteien oder Initiativen, an der auch Geschäftsleute teilnehmen können, für die Stadtregierung relevant sind diese aber nicht.

Wozu überhaupt eine Fußgängerzone?
Das ist eine gute Frage! Und eine Antwort weiß wohl niemand so wirklich. Einige haben es sich wahrscheinlich in den Kopf gesetzt, hier eine Mischung aus Kärntner Straße und Graben (Fußgängerzonen in der Innenstadt) zu schaffen, die vermeintlich attraktiver sein sollen. Doch wer braucht das? Die Gehsteige wurden mit dem Bau der U-Bahn vor mehr als 20 Jahren sowieso massiv verbreitert, an Einkaufsamstagen zu Weihnachten wird sie sowieso zur Fußgängerzone und sonst braucht hier niemand so viel Platz. Wenn man einkaufen oder bummeln geht, will man Schaufenster sehen und in Geschäfte gehen. Wer will da 15 Meter entfernt irgendwo herum latschen? Und noch dazu vielleicht in einer Begegnungszone...

Warum nur so kurz?
Hinzu kommt, dass die Fußgängerzone eine Mogelpackung ist. Sie erstreckt sich quasi nur über wenige Meter und ist dazwischen unterbrochen. Der Rest ist eine Begegnungszone, die aus rechtlicher und menschlicher Sicht eine Situation mit mulmigen Gefühlen bleibt. Wer traut sich dort freiwillig neben Autos oder Radlern spazieren gehen? Ohne dabei andere Verkehrsteilnehmer unnötig zu blockieren, versteht sich...

Geldverschwendung...
Die Mariahilferstraße ist eigentlich noch relativ neu und wurde erst vor wenigen Jahrzehnten komplett umgestaltet. Trotzdem hat und will man zig Millionen Euro für einen neuerlichen Umbau in das Projekt stecken. Außerdem stelle ich mir die Frage, ob die Befürworter schon einmal darüber nachgedacht haben, was das für die nächsten paar Jahre bedeuten wird: Lärm, Dreck und somit definitiv keine Vorzeigestraße, auf der man sich erholen kann. Aber vermutlich wohnen die Pro-Aktivisten sowieso nicht hier Wink


Somit mein abschließendes Ré­su­mé:
  • NEIN zur Fußgängerzone!
  • NEIN zum Schikanieren der Anrainer!
  • NEIN zur Umgestaltung der Mariahilferstraße!
  • NEIN zur Zerstörung der Geschäfte in der Umgebung!
  • NEIN zu unnötiger Verschwendung öffentlicher Gelder!
  • JA zur alten Straße, wie wir sie lieben! Back to the roots!
Ich glaube zwar fast nicht mehr daran, aber ich hoffe weiterhin, dass die Umfrage dementsprechend ausgehen wird. Wir werden sehen... Pffff......

Dieser Beitrag wurde insgesamt 4 mal geändert. Zuletzt am 07.03.2014, 21:32.


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BeitragVerfasst am: 07.03.2014, 18:54    Titel: Es ist offiziell...

Die Presse berichtet: Die Fußgängerzone bleibt!
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BeitragVerfasst am: 08.03.2014, 11:43    Titel: Das Ergebnis der Befragung...

Das Ergebnis in Zahlen relativiert das "eindeutig" etwas Wink
Befragt wurden 48.642 BewohnerInnen der Bezirke 6 und 7.

  • 17.522 sind für eine Verkehrsberuhigung der Mariahilferstraße und somit für eine Fußgängerzone.
    Damit wird die Meinung von 15.415 Bewohnern uninteressant. Gute 53% gegen knappe 47%!
    Wenn man das auf alle Wahlberechtigten hochrechnet, sind nur 36% für die Fußgängerzone!

  • Zu den Sekundärfragen: 9.269 (53%) der Befürworter sind für das Radfahren in der Begegnungs- und Fußgängerzone.
    Auf der anderen Seite waren 8.253 (47%) dagegen. Die Gegner der Verkehrsberuhigung wurden danach leider nicht befragt!
    Und wieder relativiert sich das Ergebnis, wenn man es auf alle Wahlberechtigten umlegt: 19% sind fürs Radfahren.

  • Soll es Querungen für Autofahrer geben? 9.269 (56%) der Befürworter sagen Ja dazu.
    Stolze 7.727 (44%) wollten auch das nicht. Die Fußgängzone-Gegner wurden auch hier nicht befragt!
    Abschließend wieder absolute Zahlen: 20% der Wahlberechtigten wollen Querungsmöglichkeiten für das Auto haben.


Es gab 185 ungültige und mehrere Dutzend gefälschte Stimmabgaben.
Die Wahlbeteiligung lag übrigens bei 68%. Datenquelle: Stadt Wien
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